Smart Devices als neue Komponente der betrieblichen Gesundheitsförderung – Interview mit dem Projekt AIM

Foto Smartwatch

Digitale Lösungen können dazu beitragen, Belastungen zu reduzieren. Daran arbeitet auch das Projekt AIM. Hier entwickeln die Projektpartner ein mobiles Assistenzsystem, welches durch Smart Devices umgesetzt wird und die betriebliche Gesundheitsförderung um eine neue Komponente ergänzt. Wie das gelingt und welche Einsatzmöglichkeiten das neue Assistenzsystem bietet, erläutert Verbundkoordinator Marco Knittel vom Institut für Produktionssysteme (IPS) der Technischen Universität (TU) Dortmund.

Marco Knittel, IPS TU DortmundHerr Knittel, welche neuen Perspektiven bieten digitale Technologien im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM)?  

Marco Knittel: Der Wandel der Arbeitswelt stellt neue Anforderungen an das BGM. Hier bieten digitale Technologien die Möglichkeit, unterschiedliche Maßnahmen bedarfsgerecht in den Arbeitsalltag zu integrieren. So wird es zukünftig vor dem Hintergrund des demografischen Wandels immer wichtiger, die Gesunderhaltung und Anpassungsfähigkeit der Beschäftigten zu verbessern. Digitale Technologien können dabei unterstützen, individuelle Bedürfnisse der Beschäftigten an die Gesundheitsförderung aufwandsarm zu erfassen. Weiterhin leisten sie einen Beitrag, den Durchgriff von BGM-Maßnahmen auf Bereiche im Unternehmen zu erhöhen, in denen die Nutzung aktuell noch gering ausgeprägt ist. So nehmen oftmals Beschäftigte aus den Fertigungs- und Montagebereichen BGM-Angebote nicht im gewünschten Maße wahr.

Das Projekt AIM entwickelt ein Assistenzsystem, das Smart Devices einsetzt. Wie unterstützt es Beschäftigte konkret?

Marco Knittel: Unser Assistenzsystem setzt auf eine Kombination von am Körper zu tragenden Smart Watches sowie eines Tablets, welches ortsfest am Arbeitsplatz bereitgestellt wird. Die Smart Watches unterstützen die Beschäftigten vornehmlich in zweierlei Hinsicht: Zunächst stellen sie individuell und kontextsensitiv Informationen bereit, die beispielsweise den Arbeitsprozess oder das zu fertigende Produkt betreffen. Mit dieser Form der Bereitstellung sollen die individuellen Informationsbedürfnisse der Beschäftigten berücksichtigt werden, sodass zukünftig beispielsweise Stress aufgrund einer großen Menge an unnötigen Informationen vermieden werden kann. Weiterhin ermöglichen die Smart Watches die Aufnahme und Analyse der ausgeführten Körperbewegungen, wodurch die Beschäftigten gezielte Empfehlungen zum (physischen) Belastungsausgleich erhalten. Anhand der ermittelten Bewegungsdaten lässt sich ein individuelles motorisches Training gestalten, dass unter anderem zur langfristigen Gesunderhaltung der Beschäftigen beiträgt.

Was sind die weiteren Schritte im Projekt?

Marco Knittel: Nach der Bestimmung der erforderlichen Hardware arbeiten wir aktuell an der softwareseitigen Umsetzung des Assistenzsystems. Hierbei stehen insbesondere die Aspekte der Bewegungsdatenaufnahme und -analyse sowie die bedarfsgerechte Informationsdarstellung im Vordergrund. Ein weiterer Schritt ist die Durchführung einer empirischen Studie, mittels derer die Kontextsensitivität sowie Akzeptanz von Assistenzsystemen in einer Laborumgebung an der TU Dortmund untersucht werden. Eine zentrale Fragestellung ist in diesem Zusammenhang, in welcher Frequenz und Menge Informationen bereitgestellt werden sollten, damit Beschäftigte sie als hilfreich und nicht störend empfinden. Neben diesen Aktivitäten planen wir, das entwickelte System im industriellen Umfeld zu validieren.

Welche Branchen werden zukünftig von dem Assistenzsystem profitieren?

Marco Knittel: Die Entwicklungsarbeiten für das Assistenzsystem werden durch das Anwenderunternehmen Continental Automotive GmbH begleitet, das Motorkomponenten für die Automobilindustrie produziert. Im Fokus stehen somit zunächst Fertigungs- und Montagearbeitssysteme, die sich durch einen relativ hohen Anteil manueller Arbeit auszeichnen. Aufgrund der Möglichkeit des mobilen Einsatzes eignet sich das Assistenzsystem darüber hinaus auch sehr gut für den Einsatz im Rahmen von Mehrmaschinenbedienungen oder für diverse Instandhaltungsaufgaben. Diese Anwendungsfälle sind insbesondere durch wechselnde Arbeitsorte gekennzeichnet, sodass hier die Potenziale des Assistenzsystems stark zum Tragen kommen. Generell ist der zukünftige Einsatz auch in weiteren Branchen denkbar, zum Beispiel im Maschinen- und Anlagenbau, in der Elektronik- sowie der Chemieindustrie.

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