Im Profil – das Projekt Dynamik 4.0: Psychische Belastungen in der Industrie 4.0

Arbeit in der Industrie 4.0

Die industrielle Arbeitswelt verändert sich hin zu einer Industrie 4.0. Wie sich Digitalisierung und Industrie 4.0 auf unsere Gesundheit auswirken und welche Präventionsmaßnahmen erforderlich sind, erläutern Prof. Dr. Peter Angerer (Institutsdirektor und Projektleiter Dynamik 4.0) und Dr. Mathias Diebig (Projektkoordinator Dynamik 4.0) vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Was wissen wir bereits über die Auswirkungen der Digitalisierung und Industrie 4.0 auf unsere psychische Gesundheit?

Prof. Dr. Peter Angerer: Die steigende Digitalisierung des Arbeitsplatzes bietet großes Unterstützungspotenzial bei der Arbeit und wird von einer Vielzahl der Beschäftigten als eine Erleichterung des Arbeitsalltags angesehen. Neben dem enormen Unterstützungspotenzial digitaler Technologien können diese allerdings auch potenzielle Hindernisse darstellen. Durch die intensive Mensch-Maschinen-Interaktion sind die Beschäftigten abhängiger von den Maschinen, sodass Probleme in deren Umgang als belastend empfunden werden, insbesondere wenn diese nicht selbst gelöst werden können. Dies kann auch noch weitere Probleme nach sich ziehen, wie beispielsweise eine Verschärfung des Zeitdrucks aufgrund von Stillständen in der Produktion.

Darüber hinaus stellen digitale Technologien immer höhere Anforderungen an die Konzentration der Beschäftigten, z. B. bei Überwachungsaufgaben. Dies kann zu Erschöpfung führen.

Wo sehen Sie die größten Stellschrauben im Arbeits- und Gesundheitsschutz?

Prof. Dr. Peter Angerer: Es zeigt sich, dass bei vielen Betrieben die Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung noch am Anfang steht. Dies gilt besonders für kleine Unternehmen, die teilweise nicht über die notwendige Expertise wie auch die zeitlichen und finanziellen Ressourcen verfügen.

Hier bietet eine softwaregestützte Gefährdungsbeurteilung viele Chancen, da hierdurch der Prozess vereinfacht sowie standardisiert dargestellt wird und zusätzlich eine schnelle Aktualisierung möglich ist. Ebenso können so Arbeitsplätze berücksichtigt werden, die sich nicht auf dem Betriebsgelände befinden.

Das Projekt Dynamik 4.0 hat ein Websystem zur Erfassung und Prävention psychischer Belastungen in der Industrie 4.0 entwickelt. Welche Vorteile bietet die Gefährdungsbeurteilung als Software-Anwendung?

Dr. Mathias Diebig: Das DYNAMIK-Websystem befähigt unternehmensinterne Akteure die Gefährdungsbeurteilung selbstständig durchzuführen. Es bildet den gesamten Prozess der Gefährdungsbeurteilung digital ab und ermöglicht dadurch eine maßgeschneiderte Erfassung der Belastungen bei der Arbeit.

Neben der Messung der in den Leitlinien der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie vorgegebenen psychischen Arbeitsbelastungen erlaubt das DYNAMIK-Websystem auch die Analyse von spezifischen Anforderungen der Arbeit in der Industrie 4.0. Es gibt Hinweise darauf, in welchen Bereichen Maßnahmen am notwendigsten sind. Ebenso hilft es bei der Umsetzung von Arbeitsschutzmaßnahmen durch eine genaue Beschreibung der Ursachen der verschiedenen Belastungen.

An wen richtet sich Dynamik 4.0?

Dr. Mathias Diebig: Dynamik 4.0 richtet sich an Entscheider sowie Arbeitsschutzexperten in Betrieben, die eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung verantworten bzw. eigenständig durchführen (z.B. Fachkraft für Arbeitssicherheit, Arbeitsmediziner sowie -psychologen).

Das Projekt Dynamik 4.0 lädt zu seiner Abschlusstagung „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt der Zukunft“ am 18. Januar 2019 nach Düsseldorf ein, um Ergebnisse vorzustellen und um über das Thema psychische Gesundheit zu diskutieren. Mehr zum Programm und zur Anmeldung erfahren Sie unter www.dynamik40.de.