Regionale Präventionsallianzen im Handwerk – das Projekt e-RegioWerk

Elektriker bei der Arbeit

Das Projekt e-RegioWerk entwickelt digitale Präventionsangebote für Handwerksbetriebe. Wie die Gesundheits- und Kompetenzförderung in Zeiten des demografischen Wandels gelingen kann und welche Bedeutung regionale Netzwerke für Kleinbetriebe im Handwerk haben, erläutern Katja Keller-Landvogt von der IKK classic und Peter Ropertz von der Kreishandwerkschaft Rhein-Erft, die im Projekt e-RegioWerk mitarbeiten.

Vor welchen Herausforderungen steht das Handwerk und warum sind gerade in dieser Branche Präventionsangebote gefragt?

Peter RopertzPeter Ropertz: Das Handwerk steht zum einen vor der Herausforderung qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen, diese bis ins Alter gesund und innovativ zu erhalten sowie an den Betrieb zu binden. Zum anderen geht es darum, Inhaber und Beschäftigte für die Digitalisierung zu gewinnen und Ängste abzubauen. Bei der Eröffnung neuer Vertriebswege sowie im Wettbewerb und Miteinander mit Industrie und Handel werden Digitalisierung und Spezialisierung eine wichtige Rolle spielen.

Präventionsangebote für Kleinbetriebe fehlen, insbesondere solche, die sowohl Inhaber und Lebenspartner als auch die Beschäftigten erreichen. Außerdem sind Angebote gefragt, die sowohl Verhaltens- als auch Verhältnisprävention gewährleisten und die Digitalisierung nutzen.

Im Projekt e-RegioWerk werden regionale Präventionsallianzen für Kleinbetriebe im Handwerk aufgebaut. Was sind die Vorteile dieser Präventionsallianzen und wer wird hier vernetzt?

Peter Ropertz: Das Handwerk findet meist in Kleinbetrieben statt. Kleinbetriebe brauchen regionale Netzwerke, nicht nur um ihre Aufträge zu akquirieren, sondern auch um ihre Mitarbeiter qualifiziert und gesund zu erhalten und die Arbeitsprozesse gesundheits- und innovationsförderlich zu gestalten. Die Betriebe des Handwerks  haben meist keine eigene Personalabteilung, Personal- und Organisationsentwicklung oder ein Betriebliches Gesundheitsmanagement. Daher vernetzen sich die Betriebe mit Kreishandwerkerschaften, Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und erleben gemeinsam im e-RegioWerk, was handwerkstaugliche Präventionsangebote bewirken können.

Welche Präventionsangebote stellt eRegio-Werk über diese Allianzen zur Verfügung?

Katja Keller-LandvogtKatja Keller-Landvogt: Über die Allianzen bieten wir den Inhabern und deren Lebenspartnern ein blended-learning Coaching zur Verbesserung der Work-Life Balance und Erholung. Dabei werden Onlinekurse mit Tele-Coaching und Präsenz-Coaching verbunden.

Zudem bieten wir den Betrieben eine neu entwickelte Prozess- und Teamentwicklung. Auch hier werden Onlinekurse mit Präsenzsitzungen verbunden. Darüber hinaus bieten wir den Kleinbetrieben ein online-Analyseinstrument psychischer Belastungen an, das als Dokumentation für die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen nutzbar ist.

Das Handwerk ist seit jeher familienorientiert, häufig arbeiten Familienangehörige in den Betrieben mit. Wie beziehen Sie Lebenspartner in Ihre Präventionsangebote ein?

Katja Keller-Landvogt: Unsere Coaching-Intervention richtet sich an das Inhaberpaar. Unsere Prozess- und Teamentwicklung richtet sich an das Inhaberpaar und die Beschäftigten.

Wie können Handwerksbetriebe deutschlandweit zukünftig von den entwickelten Angeboten profitieren?

Katja Keller-Landvogt: Wir integrieren die neu entwickelten Präventionsangebote in das BGM-Konzept der IKK classic und bieten das deutschlandweit  für Handwerksbetriebe an. Dabei werden wir von den Kreishandwerkerschaften unterstützt. Aber auch unsere Value-Partner werben für die Angebote. Diese sind zahlreiche Berufsgenossenschaften, Handwerkskammern, Gewerkschaften und viele mehr.

Weitere Informationen zum Projekt e-RegioWerk und Möglichkeiten, die Angebote zu nutzen, bietet die Projektwebsite www.e-regiowerk.de.

Das Interview führte Marie Louise Posdzich.