Betriebliches Gesundheitsmanagement erweitert denken – das Projekt GESIOP

Teamarbeit Büro

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist für viele größere Unternehmen bereits zur Selbstverständlichkeit geworden. Doch wie sieht es mit den Arbeitsbedingungen in kooperierenden Unternehmen aus, zum Beispiel in Subunternehmen oder bei Zulieferern? Warum es sinnvoll ist, BGM nicht nur unternehmensintern, sondern entlang der Wertschöpfungskette zu betrachten, erläutern uns Dr. Grit Tanner von der Universität Hamburg und Eva Straka von tegut…gute Lebensmittel GmbH & Co. KG aus dem Projekt GESIOP.

Frau Dr. Tanner, was macht ein verantwortungsvolles BGM aus?

Dr. Grit Tanner: Zentral für ein verantwortungsvolles BGM ist die Beteiligung aller. Das bedeutet aber auch die Verantwortungsübernahme durch alle Beteiligten. Gesundheitsförderung sollte dementsprechend nicht am eigenen Werktor enden, da neben den Beschäftigten auch andere, z. B. externe Dienstleister oder Zulieferer, von den Arbeitsprozessen eines Unternehmens betroffen sind. Eine gemeinsame Übernahme von Verantwortung sollte bereits bei den (intern) initiierten Maßnahmen für alle erkennbar sein. Angebote zur Förderung des individuellen Gesundheitsverhaltens sprechen beispielsweise vordergründig die Verantwortung der Beschäftigten an. Sie sind jedoch wenig wirksam, wenn nicht auch am Arbeitsplatz bzw. an den Arbeitsbedingungen angesetzt wird. Insgesamt sollte im Unternehmen ein Klima geschaffen werden, in welchem Gesundheit spürbar einen hohen Stellenwert hat.

Frau Straka, tegut… ist einer der Praxispartner im Projekt GESIOP. Warum haben Sie sich entschieden mitzumachen?

Eva Straka: Vor dem Start des Projekts GESIOP gab es lediglich ein hausinternes BGM, welches von einzelnen Bereichen bearbeitet wurde. Auf Grund von unterschiedlichsten Belastungen im Arbeitsalltag aller Bereiche war es tegut… wichtig, diese Belange flächendeckend und gebündelt zu bearbeiten. Den Mitarbeitenden steht somit ein Ansprechpartner zur Verfügung, der sich um alle Themen der Mitarbeitendengesundheit kümmert. Das Projekt GESIOP half uns bisher dabei, unser BGM strukturierter zu gestalten und darauf langfristig weiter aufzubauen. Mit GESIOP steht auch uns ein Ansprechpartner zur Seite, der uns in unterschiedlichsten Themen unterstützt und Befragungen sowie Maßnahmen gemeinsam mit uns konzipiert und anschließend umsetzt. Hierbei ist die Einbeziehung der externen Partner und Kunden ebenso wichtig wie die Einbeziehung der eigenen Mitarbeitenden.

Welche Vorteile bietet es Unternehmen, auch die Gesundheit der Beschäftigten von kooperierenden Unternehmen zu berücksichtigen? Und wo liegen hier mögliche Herausforderungen?

Eva Straka: Bei tegut… stellen diese kooperierenden Unternehmen die Marktinhaber dar. Diese sind selbstständige Unternehmer, die die Marke tegut… vertreten. Diese Marktinhaber leben die Grundsätze der Kultur der Zusammenarbeit von tegut… ebenso wie der feste tegut… Mitarbeiterstamm. Um diese gute Zusammenarbeit weiter zu stärken, stehen den Marktinhabern einzelne Maßnahmen hinsichtlich des BGM zur Verfügung, die ebenfalls neue Impulse in diesem Bereich schaffen sollen. Voraussetzung hierfür ist die Bereitschaft, das Thema BGM als Marktinhaber im eigenen Markt zu platzieren. Das ist gleichzeitig auch eine Herausforderung.

Die ganzheitliche Betrachtung des BGM hat den Vorteil, dass die gesamte Marke tegut… einheitlich auftritt und somit eine Steigerung der Arbeitgeberattraktivität gelingt. Zudem ist es für tegut… von besonderer Bedeutung, alle Partner und Kunden in den Themenfeldern Ernährung, Gesundheit und Bewegung zu unterstützen und fördern.

Welche Instrumente werden benötigt, damit Unternehmen in Gesundheitsaktivitäten stärker zusammenarbeiten?

Eva Straka: Aus der Praxis kann ich berichten, dass besonders die Kommunikation und Offenheit gegenüber anderen Unternehmen hinsichtlich eines ganzheitlichen und gemeinschaftlichen BGM sehr wichtig ist. Oftmals helfen hier unternehmensübergreifende Gesundheitszirkel.

Dr. Grit Tanner: Dem kann ich nur zustimmen. Wesentliche Voraussetzungen für einen solchen Austausch zwischen Unternehmen sind die Selbsteinschätzung des eigenen BGM und eine kritische Reflexion der eigenen Bemühungen. Damit der Austausch nachhaltig erfolgreich ist, sollte dieser unbedingt auf Augenhöhe stattfinden.

Wie können Unternehmen zukünftig von den im Projekt GESIOP entwickelten und erprobten Produkten profitieren?

Dr. Grit Tanner: Im Projekt wurde ein Tool entwickelt, mit welchem eine selbständige Einschätzung der eigenen betrieblichen Gesundheitsförderung, auch im Hinblick auf eingesetzte Anreize und Kooperationen mit anderen Unternehmen, durchgeführt werden kann. Darüber hinaus schafft das Tool eine Grundlage für eine aktive Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen. Das GESIOP-Tool für Gesunde Arbeit wird etwa ab Mitte 2019 über die Homepage unseres Verbundpartners Die VERBRAUCHER INITIATIVE e.V. zur Verfügung stehen und soll auch in die MEgA-Toolbox „Gesunde Arbeit 4.0“ integriert werden.

Das Projekt GESIOP lädt zu seiner Abschlussveranstaltung am 16. Mai 2019 in Berlin ein. Die Verbundpartner werden die im Projekt entwickelten Konzepte und Ideen vorstellen. Weitere Informationen finden Sie unter http://gesiop-gesundearbeit.de/aktuelles/.