Regionale Netzwerke – das Projekt RegioKMUnet

Zusammenarbeit im Netzwerk.

Das Projekt RegioKMUnet hat ein ganzheitliches Konzept für ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) entwickelt, das sich an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) richtet. Regionale Präventionsallianzen waren Teil dieses Konzeptes. Welche Vorteile diese bieten, berichten Amanda Voss und Wolfgang Fischmann vom Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin (IPASUM) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Wie können insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) durch vernetzte Präventionsarbeit profitieren?

Wolfgang Fischmann: KMU haben im Vergleich zur Großindustrie in der Regel geringere Ressourcen, um sich dem Themenfeld der Prävention nachhaltig zu widmen. Netzwerke zum BGM können hier einen positiven Beitrag leisten. Hierbei ist nicht nur eine Unterstützung bei der Durchführung von Maßnahmen, sondern auch eine regelmäßige Auseinandersetzung mit dem Themenfeld gegeben. Dadurch wird eine nachhaltige Implementierung und Verstetigung von Prozessen und Methoden erleichtert. Zudem geschieht durch eine Vernetzung ein gewinnbringender Austausch zur einfachen und niederschwelligen Erweiterung von Wissen und Erfahrungen sowie dem Identifizieren neuer Themenfelder.

Welche Rolle spielen regionale Präventionsallianzen im Projekt RegioKMUnet?

Amanda Voss: Im Projekt RegioKMUnet wurden zwei Netzwerke aus 17 KMU bzw. Kommunen gebildet. Die Netzwerke treffen sich je einmal pro Quartal und bearbeiten gemeinsam Themen des BGM anhand des jeweiligen Bedarfs. Durch die Treffen geschahen vor allem Wissensvermittlung, ein einheitliches Verständnis von BGM und wiederum Vernetzungen untereinander. Neben der individuellen Projektarbeit mit jedem Teilnehmer machten die Netzwerke einen großen und verstärkenden Teil des Projekts aus. Auch die Unternehmensvertreter erhielten unter anderem durch den Austausch mit anderen hier ein stärkeres Bewusstsein bezüglich ihrer Rolle im BGM sowie Möglichkeiten und Herausforderungen eines BGM.

Wo lagen die größten Herausforderungen in der Zusammenarbeit?

Wolfgang Fischmann: Zunächst musste trotz unterschiedlicher Branchen und Betriebsgrößen die gemeinsame Problemlage erkannt werden und ein aktiver Austausch angeregt werden. Bei den ersten Netzwerktreffen trugen Unternehmensbegehungen in den teilnehmenden Betrieben zu einem besseren Kennenlernen und einem intensiveren Austausch bei. Insgesamt wurden stets innerbetriebliche Herausforderungen besprochen, zum Beispiel zu den Mitarbeiterbefragungen oder im Umgang mit Ergebnissen. Auch der Standpunkt zu der jeweiligen Geschäftsleitung wurde thematisiert, die nach Investition in das BGM eine realistische Erwartungshaltung haben und nicht auf „Kennzahlen“ beharren sollte.

Welche Angebote im Betrieblichen Gesundheitsmanagement haben Sie im Projekt RegioKMUnet entwickelt und wie können auch andere Unternehmen diese nutzen?

Amanda Voss: In einem der Netzwerke wurde für ein gemeinsames Verständnis ein Leitbild mit allen relevanten Aspekten eines BGM entwickelt. Weiterhin entstand ein Maßnahmenkatalog zum besseren Dokumentieren durchgeführter Maßnahmen sowie dazugehöriger Kriterien wie Kosten, Teilnahmequote oder Resonanz. Anhand der entstehenden Maßnahmensammlung wird den Betrieben damit die Auswahl und Bewertung künftiger Maßnahmen des BGM erleichtert. Außerdem werden Leitfäden mit Handlungsanweisungen für die KMU bereitgestellt, die ein nachhaltiges und ganzheitliches BGM implementieren möchten. Diese enthalten praktische Hinweise, zum Beispiel die Wichtigkeit eines BGM „Kümmerers“ im Betrieb. Gleichzeitig wird aber darin auch hervorgehoben, dass gerade in KMU BGM ein sehr individuelles Thema ist.

Neugierig geworden? Dann informieren Sie sich auf der Projektwebsite: www.regiokmunet.de. Welche Perspektiven regionale, aber auch überregionale Präventionsallianzen bieten, ist Thema einer neuen Ausgabe der praeview.

Das Interview führte Marie Louise Posdzich.