Das Spiel mit dem Stress – das Projekt Stress-Rekord

Screenshot aus dem Serious Game

Das Projekt Stress-Rekord hat ein digitales Planspiel für die ambulante Pflege entwickelt, um Betriebliches Gesundheitsmanagement als Führungsaufgabe zu stärken. An der Entwicklung des Serious Game haben Partner aus Wissenschaft und Pflegepraxis mitgewirkt. Cornelia Schade von der Technischen Universität Dresden und Stefan Wolfram von der Trägerwerk Soziale Dienste Wohnen plus… gGmbH berichten über die Ziele und Ergebnisse des Projektes.

Was müssen wir uns unter einem Serious Game vorstellen?

Cornelia Schade: Serious Games verfolgen den Ansatz des spielerischen Lernens. Man versteht darunter die Nutzung von Technologien aus dem Unterhaltungssoftwarebereich, die nicht primär der Unterhaltung dienen, sondern ebenso Lerninhalte zu einem bestimmten Themenfeld vermitteln. Spielen und Lernen sind grundlegend miteinander verbunden. Serious Games nutzen Freude als Motivationsfaktor zum Lernen. Spielerisches Lernen wird gerade von der Generation der „digital natives“ als fester Bestandteil des Lernens eingefordert. Diese Lernform sollte also zunehmend bei der Entwicklung innovativer Lernwerkzeuge berücksichtigt werden.

Zunehmend wird die Bedeutung der unmittelbaren Führungskraft für die Mitarbeitergesundheit diskutiert. Was sind die besonderen Herausforderungen in der Pflege?

Stefan Wolfram: Gerade in Berufen wie der Pflege hat die unmittelbare Führungskraft mitunter großen Einfluss auf die Gesundheit und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Denn die hohen physischen und psychischen Belastungen, mit denen sich die Pflegenden konfrontiert sehen, bedürfen aus unserer Sicht des ausgewogenen Einsatzes aller zur Verfügung stehenden präventiven und gesundheitsförderlichen Maßnahmen. Diese sollten durch die Führungskraft initiiert und den Mitarbeitenden zur Verfügung gestellt werden. Außerdem kommt ein nicht unwesentlicher Faktor in Form von mitarbeiterorientiertem Führungsverhalten dazu, welcher von den Führungskräften gewünscht wird.

Wie will das Planspiel „Stress-Rekord“ Führungskräfte konkret unterstützen?

Cornelia Schade: Führungskräfte sollen mit Hilfe von „Stress-Rekord“ spielerisch befähigt werden, physische und psychische Belastungen von Pflegekräften zu erkennen und geeignete präventive und gesundheitsförderliche Maßnahmen einzuleiten. Die Führungskräfte übernehmen im Spiel die Leitung eines fiktiven Pflegebetriebs. Dort werden sie mit realen Handlungssituation aus dem Pflegealltag konfrontiert – beispielsweise mit Personalausfällen oder Überlastungsanzeigen. Anhand dieser Szenarien sollen sie lernen, Belastungen zu erkennen und diesen durch konkrete Maßnahmen entgegenzuwirken, damit das Stresslevel im Betrieb sinkt. Das Spiel ist zudem in eine Personalentwicklungsmaßnahme eingebettet. Das heißt, es gibt einen Einführungsworkshop zum Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement und einen Transferworkshop zum Abschluss, in welchem die Führungskräfte das Gelernte auf ihren eigenen Pflegebetrieb übertragen.

Haben Sie bereits Erkenntnisse zur Wirksamkeit?

Cornelia Schade: Der Nutzen des Serious Game für die Weiterbildungsziele sowie die berufliche Praxis der Führungskräfte wurde im Rahmen der Evaluation als gut bewertet. Für angehende Führungskräfte ist das Spiel sogar noch etwas nützlicher als für erfahrene Führungskräfte. Außerdem wurde deutlich, dass „Stress-Rekord“ eine kritische Reflexion und eine realistischere Einschätzung hinsichtlich des eigenen gesundheitsförderlichen Führungsverhaltens ermöglicht.

Wie planen Sie „Stress-Rekord“ in die Praxis zu implementieren?

Stefan Wolfram: In einem ersten Durchlauf haben wir „Stress-Rekord“ in eine dreiteilige Personalentwicklungsmaßnahme integriert, was auch zu guten Ergebnissen geführt hat. Zukünftig können diese Schulungen über unseren im Trägerverbund befindlichen Bildungsträger, dem Akademie Rosenhof e.V., angeboten werden. Hierbei können insbesondere angehende Führungskräfte profitieren, aber auch zur regelmäßigen Nachschulung erfahrener Führungskräfte eignet sich dieses Setting gut.

Neugierig geworden? Dann informieren Sie sich auf der Projektwebsite: www.stressrekord.de.

Das Interview führte Marie Louise Posdzich.