ReProNa

Reflexives Projektmanagement für nachhaltige Innovationsarbeit

Projektarbeit – zwischen Potenzialentwicklung und Gefährdung

Projektarbeit und Projektmanagement gewinnen angesichts strukturell veränderter Markt- und Wettbewerbsanforderungen zunehmend an Bedeutung. Dies gilt vor allem für wissens- und dienstleistungsintensive Branchen. Doch geht Projektarbeit mit besonderen Bedingungen einher: hochgradig vernetzte und kurzzyklische Entwicklungsprozesse, hybride Teamkonstellationen, widersprüchliche Anforderungen, fragmentierte Interaktionsmuster, komplexe Entscheidungs- und Koordinationsbeziehungen, knappe Ressourcen oder neue Formen der Bürokratisierung. Über die Folgen legen Studien unterschiedlichster Disziplinen eindrucksvoll Zeugnis ab: So haben sich psychosoziale Belastungs- und Erschöpfungssymptome in den vergangenen Jahren vervielfacht. Dies betrifft insbesondere jene Bereiche, die für die Innovationsleistung von Unternehmen von entscheidender Bedeutung sind. Gleichwohl bleibt betriebliche Gesundheitspolitik zumeist auf Verhaltensprävention reduziert. Die Problemlösung wird damit einseitig den Beschäftigten auferlegt. Umso dringlicher ist es, nicht nur die Symptome, sondern die darunterliegenden Ursachen in den Blick zu nehmen und die strukturellen Bedingungen projektförmiger Arbeitsorganisation neu zu gestalten.

Anforderungsstrukturen und Kompetenzentwicklung analysieren, bewerten, verstehen

Hier setzt das Forschungsprojekt ReProNa an. Es zielt darauf ab, „Managementsysteme“ zu entwickeln, die innovationsförderliche und zugleich belastungsbeschränkende Arbeits- und Organisationsbedingungen hervorbringen – und dies kontinuierlich, weil sich die Kontextbedingungen von Projektarbeit fortwährend verändern. Für dieses Ziel werden in ReProNa projektspezifische Belastungen analysiert, personale und organisationale Kompetenzen für ihre Bewältigung erfasst und Instrumente zur nachhaltigen Organisation projektförmiger Innovationsarbeit entwickelt. Eine Unternehmensbefragung in wissensintensiven, innovationsrelevanten Branchen der Privatwirtschaft gibt Aufschluss darüber, wie mit Wissen über belastungskritische Faktoren umgegangen wird, auf welche Weise sich Unternehmen über sich selbst aufklären und inwieweit dabei auch grundlegende Regeln (zum Beispiel Organisationsformen, Führungspraktiken) zum Gegenstand von Selbstbeobachtung und Selbstkritik gemacht werden (dürfen). Empirische Fallstudien zeigen auf, wie personale Kompetenzen zur Bewältigung unterschiedlicher Belastungsformen mit institutionellen und kulturellen Bedingungen in Unternehmen interagieren und welche Konsequenzen für die nachhaltige Organisation projektförmiger Arbeit zu ziehen sind.

Folgende Ziele werden im Forschungsprojekt ReProNa verfolgt: (1) Ein Modell reflexiven (und damit belastungssensiblen) Projektmanagements, das unerwartete Nebenfolgen der Projektarbeit erfasst, projektspezifische Standards beständiger Prüfung unterzieht und zu einem diskursiven Umgang mit widersprüchlicher Arbeitsanforderungen beiträgt. (2) Ein integriertes HRM-Nachhaltigkeitscontrolling, anhand dessen sich der salutogene Umgang mit Sozialkapital (als ein zentraler Bestandteil des immateriellen Vermögens einer Organisation) erfassen und bewerten lässt. (3) Ein Softwaretool, das Führungskräfte bei der präventions-bezogenen Abbildung von Arbeitsbelastungen unterstützt. (4) Ein empirisch fundiertes Führungskräftebeurteilungs- und Auswahlverfahren, das Reflexivität als personale Kompetenz in der Organisation wissensintensiver Projektarbeit verankert, und in dem der Umgang mit ambivalenten und unsicheren Zuständen hoher Komplexität eine zentrale Dimension bildet. (5) Methoden und Workshop-Konzepte, mit denen in Multiplikatoren-Seminaren die Anwendung der im Projekt entwickelten Instrumente erlernt werden kann. (6) Aufbereitung der empirischen Forschungsergebnisse als „good practices“ bzw. als „failure cases“, die von den Projektpartnern für eine innovative Arbeits- und Organisationsgestaltung genutzt werden. Die Verwertbarkeit der Instrumente wird unter anderem über die bewährte Survey-Feedback-Methodik aus der Aktionsforschung sichergestellt.

Projektlaufzeit
01. April 2016 bis 31. März 2019
Kontakt

Zeppelin Universität Friedrichshafen
Lehrstuhl für Sozioökonomie und unternehmerisches Handeln 

Matthias Wörlen
Telefon: 07541 6009-2526
matthias.woerlen@zu.de

Tobias Hallensleben
Telefon: 07541 6009 2525
tobias.hallensleben@zu.de